Pressemitteilung – 20.5.2021

Das sächsische Netzwerk für Musikfrauen* Music S Women* will Akteurinnen der Musikbranche sichtbar machen und auf Missstände hinweisen. Auf genau so einen Missstand hat das Netzwerk nun auf Instagram reagiert – und sich mit einem der größten Festivals Europas angelegt. Rock am Ring kündigte am 5. Mai 2021 die ersten Acts für 2022 an – Music S Women* zählte genau nach und stellte fest: bisher stehen 107 Musiker und 2 Musikerinnen* auf der Bühne. Diese Gegenüberstellung fand zahlreiche Unterstützer*innen – darunter auch namhafte Künstler*innen wie Sophie Hunger, Leslie Clio, Cäthe, LEA, Balbina, Alice Merton, Mine, Sophie Passmann, FIVA, L’Aupaire, Lúisa, Maike Rosa Vogel, Madeleine Juno, Alexa Feser, Miu, Alin Coen, Lina Maly, Marie Bothmer und Antje Schomaker. Der Beitrag wurde innerhalb von 72 Stunden 3.500 mal geliked – darunter fand in über 500 Kommentaren eine hitzige Debatte statt.

Rock am Ring gab folgendes Statement dazu ab: “Es ist höchste Zeit, dass sich hier was ändert und wir setzen uns auch dafür ein, denn wir möchten ebenfalls mehr Diversität auf Bühnen sehen. […] Auch wir sind aber Teil einer Industrie, in der sich Veränderungen nur langsam, effektiv und nachhaltig, etablieren. Wie jedes Business ist auch das Livemusikgeschäft gesellschaftlich ein Abbild der Realität und jedes strukturelle Umkrempeln ein Prozess. Uns sind öfter als man denken möchte hierzu die Hände gebunden […] darum setzen wir aber das Thema tagtäglich auf die Agenda in unserem Arbeitsumfeld und sind auch dankbar, dass ihr es zum Thema macht, denn Worten folgen Taten.” (Quelle: s.u.)

Durchschnittlich 4 Prozent Frauenanteil auf der Rock am Ring Bühne

Weiterführende Recherchearbeiten ergaben, dass sich das Programm in den letzten 10 Jahren mit durchschnittlich jährlich 12 Musikerinnen* (ca. 4% aller Künstler*innen auf der Bühne) kaum verändert hat. Damit sind weder Diversität noch die gesellschaftliche Realität abgebildet. Die undifferenzierte Antwort seitens des Festivals Rock am Ring, trägt den Argumenten von Music S Women* kaum Rechnung.

Auch Branchenexperte Fabian Schütze von Golden Ticket Booking und Low Budget High Spirit kontert: “Es diskreditiert das Anliegen, es schiebt es auf die lange Bank, es wälzt Verantwortung ab. Noch viel schlimmer: Es gäbe die einfache Möglichkeit zu handeln, anstatt sich rauszulabern. Gerade in den letzten Jahren haben es glücklicherweise viele diverse Acts und female forced Projekte über große Relevanzschwellen geschafft.” (Quelle: s.u.)

Keychange Pledge unterzeichnen

Begrüßenswert wäre die Unterzeichnung der Keychange.eu Pledge durch Rock am Ring. Damit würde sich das Festival klar zu einem paritätischen LineUp als Zielvereinbarung bekennen. Um dem Argument, es gäbe nicht genügend Bands mit weiblicher Beteiligung, die zur Programmatik des Festivals passen würden, entgegenzutreten, sammelten User*innen über 1220 Bands mit weiblicher Beteiligung zusammen.

Diese Liste wird Music S Women* als symbolischen Akt gemeinsam mit einer Aufforderung um Stellungnahme an alle Beteiligten senden, darunter auch der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Initiative Musik und GEMA. „Wir waren schockiert, als wir feststellen mussten, dass hier öffentliche Gelder geflossen sind und damit scheinbar nicht die Forderung verknüpft wurde, sich um ein paritätisches Line Up zu bemühen.“, sagt Susann Großmann, eine der Gründerinnen* des Netzwerks Music S Women*.

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Quellennachweise